19 April 2013

Boca Brava I Panama.

Morgens haben wir uns von unserem Grummel Griesgram zum Bus fahren lassen, der uns über Sona, Santiago, Horconcitos und Boca Chica nach Boca Brava bringen sollte. Ging alles auch ziemlich reibungslos, aber die Fahrt von Santiago nach Horconcitos war schon eine Herausforderung. Stellt euch spanische Ballermannmusik vor, über die Norbert Dickel in einer Endlosschleife die letzten 90 Sekunden des Champions League Viertelfinales kommentiert – auf Spanisch versteht sich. Das ganze wird dann mit 120 db durch nicht mehr taufrische, rauschende und britzelnde Lautsprecher gejagt. Man erwischte sich das ein ums andere Mal beim Abwägen der Opportunitätkosten einer plötzlichen Ertaubung. Dazu kam noch, dass die Busfahrer ja einfach niemanden am Straßenrand stehen lassen konnten, so dass die zulässige Menge an Fahrgästen um gut und gerne 100 Prozent überschritten wurde. Nach zwei Stunden mit einem dicken, weiblichen, im Takt der Musik schaukelnden Oma – Bauch deutlich innerhalb meines persönlichen Bereiches und kurz vorm Mord sind wir in Horconcitos angekommen. Von Jimi aber leider keine Spur, also haben wir ein Taxi genommen. Von Boca Chica aus ging es dann die letzten paar 100 Meter mit dem Boot. Bis zum Steg ging auch alles gut. Beim Aussteigen habe ich mich aber etwas mit der Höhe des Rucksacks verschätzt und bin schön Richtung Wasser gesegelt, wo ich vermutlich mit 30 Kilo Gepäck am Balg wie ein Stein gesunken wär. Und vermutlich hätte es auch weder dem Laptop noch der Gitarre besonders gut getan. Durch das beherzte Eingreifen von Sabrina und unserem Steuermann konnte aber Schlimmeres verhindert werden. Der Imageschaden durch solch eine von außen mit ziemlicher Sicherheit unfassbar dämlich aussehende Aktion ist aber dennoch enorm und konnte bis jetzt noch nicht beziffert werden. Zum wiederholten Male haben wir uns aber geschworen, dass dieses andauernde Auf-die-Fresse-legen jetzt endlich aufhören muss.

Der Steg zu unserer Unterkunft aka. der Ort an dem Backo sich ziemlich ungelenk vom Boot bewegt hat.
Aber letztendlich haben wir es ja dann doch heil zum Hotel geschafft. Schön gelegen war es, direkt an der Spitze der kleinen Insel Boca Brava, die zum Meeresnationalpark Golf von Chiriqui gehört.

Unser Restaurant mit Ausblick.

Ich bin ja leider nicht so der Kaffeeliebhaber aber hier dreht sich alles um die Bohne.
Allzu viel gibt’s hier nicht zu tun, hat uns aber nicht gestört. Einen Tag haben wir uns zusammen mit vier Amis – Mutter mit Sohn und Tochter und einer weiteren jungen, mit den anderen nicht verwandten oder verschwägerten Dame – auf eine der unzähligen kleinen Inseln fahren lassen. Dort haben wir uns in der Sonne braten lassen und auch das Wasser brachte bei knappen 30 Grad keine Abkühlung. Aber das sah schon ganz OK aus da.

Hier haben wir einen Ausflug hingemacht-die "Insel" konnte echt einiges. Da war man komplett alleine auf dem kleinen Fleckchen. Sand weiß - Wassertemperatur 30° Wohfühltemperatur.

Naja, man hatte mal wieder einiges an Zeit, um Fotos zu machen.

In 5 Minuten war man um die Insel gelaufen.

Die Pelikane sind so schlau. Da vertreiben die sich die Zeit am Fischerboot und warten bis die armen Männer, was im Netz haben um ihnen das dann zu entwenden.

PANAMA.

Da ich bereits die dritte Sonnenbrille "verlegt" habe werdet Ihr mich jetzt häufiger mit Hut antreffen.

Unser Bootsführer hat jetzt auch nicht den stressigsten Job der Welt...Hat sich mal eben 130$ reingezogen, und dafür den ganzen Tag am Strand rumgehangen.
Die Amis waren aus Boquete, wo sie für ein halbes Jahr wohnen, weil die Mutter der Meinung ist, dass es für Amerikaner auch mal nicht schlecht sei, eine Fremdsprache zu lernen. Bemerkenswerte Einstellung für eine Amerikanerin. Mit denen werden wir uns morgen Abend auch noch mal zum Essen in Boquete treffen.

Ansonsten sind hier wir noch einmal zu einem der Strände gelatscht, und dabei fast zerflossen, hier ist es echt krass schwül.

Hier schwitzt man so-da macht Ihr Euch kein Bild von...
Dafür haben wir aber direkt über uns wieder mal ein paar Brüllaffen gesehen, die sind schon gut.

Wir sind dann noch ein bisschen über unsere Insel getreckt, auf der Suche nach...

...Äffchen.

Überall waren die Herrschaften in den Bäumen am Spielen dran.

Oder am Entspannen.

Und noch ein Äffchen.
Der Strand war leider nicht so schön, und es hat leider ziemlich nach Affen – Aa gerochen*. Dafür gabs aber eine Menge lustiger, unterschiedlicher Krebse, die man bei ihrem Alltagsgeschäft – Baumstamm hoch und runterlatschen, Löcher buddeln - beobachten konnte. So langsam entwickeln wir uns echt zu Fans der eher kleinen Tierchen, die haben auch einiges auf dem Kasten, meint man ja gar nicht so.

Für eine Runde Schiffe versenken im Sand hat der Strand außerdem allemal gereicht. Leider waren Sabrina die Regeln nicht ganz geläufig, was zu häufigen Spielunterbrechungen geführt hat. Ein mehr als einmal gehörter Satz war: „Ich glaub ich hab was falsch gemacht“. Schön auch: „Zwei Schiffe dürfen sich wahrscheinlich nicht überlappen, oder?“ Nun ja, wenn wir davon ausgehen, dass dieses Spiel auch nur ansatzweise die Realität wiederspiegeln soll, würde ich mal sagen: Nein. Außer, bei einem von den beiden handelt es sich um ein U – Boot, und das wäre eine mehr als liberale Auslegung der Regeln.

Bei der Inselerkundung.
Den Rest der Zeit haben wir im Freiluft - Restaurant/Gemeinschaftsraum rumgehangen, und unsere Panama – Planung glatt gezogen. Wens interessiert, wir werden die San Blas – Inseln aus finanziellen und logistischen Gründen knicken, und nach Bocas del Toro fahren, da haben wir eine schöne Unterkunft auf einer der kleineren Inseln, abseits vom Spring Break – Tourismus in der gleichnamigen Provinz – Hauptstadt gefunden. Außerdem hat Sabrina, es geschafft, ihre Sonnenbrille zu verlegen, jetzt gibt’s aber auch keine neue mehr, das war immerhin schon die Dritte. Generell hat bei uns ein bisschen der Schlendrian Einzug gehalten. Weiterhin vermissen wir noch unsere zweite Stirnlampe, einen von meinen Buffs und Sabrinas Leggings bleiben auch weiterhin verschwunden. Ach ja, das Handy haben wir auch in Granada liegen lassen.

Anzumerken ist vielleicht noch, dass ich eines Abends als „Vielfrass“ bezeichnet wurde, weil sich das fälschlicherweise als zu dem gerade – und das möchte ich hier kurz anmerken, in exakt gleichgroße Hälften – geteilten Snickers zugehörig angenommene und von mir verspeiste Kleinteil als Fliege herausgestellt hatte. Man wird sich ja mal irren dürfen. Und in der Natur gibt es ja nun diverse Beispiele für Mimikry. Warum soll es dann nicht auch die Snickers – Fliege geben. Welchen Vorteil sie sich allerdings dadurch in der freien Wildbahn erhofft, weiß ich natürlich nicht. Ich geh auch davon aus, dass sie die nächste Auslosungsrunde im Genpool nicht überstehen wird.

Morgen geht’s dann also weiter nach Boquete, da freu ich mich persönlich schon wie ein Schnitzel, da es da ja ganz exquisiten Kaffee geben soll und auch sonst gibt’s da einiges an Attraktionen.

Backo

P.S. Wie wir finden haben Zebresel dieses Mal eine ihrer besten Performances hingelegt. Ehre, wem Ehre gebührt.

* Gerade aus Spaß mal „Aa“ gegoogelt (fragt mich nicht, warum), das sagt Wikipedia dazu. Lieblingsstelle ist fett markiert. Großartig:
"Aa (oder A-a) ist ein seit Beginn des 19. Jahrhunderts bezeugter kindersprachlicher Ausdruck für Kot. Die Brüder Grimm definierten im Deutschen Wörterbuch:
„aa, m. merda, excrementum, zweisilbig und zweimal betont, ein uraltes wort, dem nur zeugnisse abgehn, anständiger als die gemeinen ausdrücke koth oder dreck, jetzt aber nur wenn mit kindern oder vertraulich gesprochen wird im gebrauch: das ist aa! aa machen, seine nothdurft verrichten.[1]“
Der Ausdruck ist aus der lautmalenden Interjektion a–a substantiviert. Verwendung findet das Wort insbesondere in dem Ausdruck Aa machen.[2]"

In welchem Zustand von Langeweile muss man sich befinden, um diesen Artikel zu verfassen: "Ach, jetzt hab ich jeden Artikel bei Wikipedia durchgelesen, und da hat doch tatsächlich noch niemand was zu Aa geschrieben, ich glaub das mach ich mal eben." (Zu Recht mag sich der ein oder andere Leser jetzt fragen, in welchem Zustand man sich befinden muss, um "Aa" zu googlen, und zu schauen, was denn im Internet schon interessant zu dem Thema geschrieben wurde.)   

16 April 2013

Santa Catalina I Panama.

Die Anreise nach Santa Catalina war dann doch entspannter als gedacht. Zu einem großen Teil ist das sicher auch dem Umstand geschuldet, dass man ja doch sehr genügsam wird, was die Fortbewegungsmittel und die Fahrpläne oder die Abwesenheit solcher angeht. Auf der anderen Seite scheint sich hier auch einiges getan zu haben, in unserem Lonely Planet von 2010 war noch von Schlaglöchern auf der Straße zu lesen. Wir waren dann aber auf allerfeinstem Premium – Asphalt unterwegs. Die Fahrt wurde zudem noch versüßt durch die wirklich fantastischen Käsebrötchen aus der supermarkteigenen Bäckerei in Panama City. Dort muss man übrigens wie auffem Amt erst ein Nümmerchen ziehen, um bedient zu werden. Muss ja alles seine Richtigkeit haben.

Mit traumwandlerischer Sicherheit hatten wir uns dann natürlich wieder das am weitesten von der Haltestelle entfernte Etablissement ausgesucht, also hieß es wieder ein halbes Stündchen mit Sack und Pack durch die Hitze latschen. Die Rancho Estero, unser Quartier für die nächsten 4 Nächte war dann dafür auch wirklich schön gelegen, nur ein paar Stufen zum Meer mit perfektem Ausblick über die Bucht.

Unsere Behausung mit "Kunst" vor der Tür-ein mit Lichterkette verziertes Dinosaurierskelett und ein paar Porzellanfrösche mit Musikinstrumenten.

Aussicht von unserem kleinen Hüttchen.

Estero Beach-vor unserer Haustür-je nach Tagesform ist das ein super Surfstrand.

Zwischen Ebbe und Flut lagen mal geschmeidige 300m.

Die fiesen Quallen gab es zu Hauf im Meer-haben aber zum Glück nur einmal kurz gezwiebelt, wenn man sie berührt hat.
Und wenn man ehrlich ist, hat Downtown Santa Catalina jetzt auch nicht so viel zu bieten. Leider war keiner zu finden, bei dem wir vorstellig werden konnten, also haben wir es uns mit einem Bier aus dem Kühlschrank gemütlich gemacht. Hier gab es sogar auch eine Outdoorküche, wo wir dann später unsere mitgebrachten Speisen zubereiten würden. Aus finanzpolitischen Gründen hatten wir nämlich für 27 Cent das Stück leckere Minutennudeln erstanden, an denen mit Sicherheit noch nie eine richtige Nudel vorbeigelaufen ist, und auch die Geschmacksrichtung „Hühnersuppe“ ist wohl eher durch die Hände geschickter Chemiker entstanden.

Wir hatten mal wieder eine Küche und einen Obst-und Gemüsewagen der einmal am Tag vorbei kam. Da haben wir dann in bestem Spanisch eingekauft und nachher gekocht.
Nach einer Stunde kam dann Michael vorbei, dem das hier zusammen mit seiner Freundin Rose gehört. Die war gerade in Panama City und offensichtlich war es für ihn jetzt nicht das größte Vergnügen sich in der Zwischenzeit mit Gästen rumschlagen zu müssen. Freundlich und hilfsbereit ist anders, er sollte aber in den nächsten Tagen noch auftauen. Da es für unsere Verhältnisse schon relativ spät war, sicher 20 Uhr, sind wir dann auch zeitnah ins Bett.

Am nächsten Morgen haben wir dann die übrigen Gäste kennengelernt, ein Ehepaar mit 6-jähriger Tochter aus Colorado. So richtig gut waren die auf Michael auch nicht zu sprechen, richtig viele Infos über Land und Leute hatten sie ihm bis dato wohl auch noch nicht entlocken können. Ich habe mich dann noch mal bei ihm erkundigt, wie es denn wohl mit einer Surfstunde aussehen würde, wenn man die Wellen schon mal direkt vor der Nase hat: „Ja generell mach ich das, aber heute nicht.“ Jut, dann weiß ich ja Bescheid. Wir sind dann noch einen Laden weitergegangen, die das auch anbieten, aber auch die waren eher zurückhaltend. Will hier denn keiner Geld verdienen? Wir haben uns dann erst mal auf den beschwerlichen Weg in die Stadt gemacht um da noch was im Supermarkt zu kaufen und mal zu schauen, was man hier sonst noch so machen könnte. Eine Boots – Stunde vor Santa Catalina liegt auch die Insel Coiba, ein mariner Nationalpark, die Touren, sowohl Schnorcheln als auch Tauchen waren aber einfach zu teuer, so dass wir uns das, verantwortungsbewusst wie wir sind, geklemmt haben, da man sich die Zeit hier auch wunderbar mit aufs-Meer-gucken-aus-der-Hängematte vertreiben kann. Außerdem haben wir noch ein Monopoly – Spiel gefunden, und zwar, Premiere für mich, inklusive Spielanleitung. Ich war geschockt, die Unendlich – Schulden – Regel gibt es überhaupt nicht. Wie sauer waren meine Geschwister und ich damals, als unsere Mutter das Spiel nach vier Tagen einfach abgebaut hat … dabei war sie im Recht. Zudem, und ich denke, das wird auch für den ein oder anderen Leser ein Schock sein, wird NIEMALS Geld in die Mitte des Spielfeldes gelegt, was man dann auf Frei Parken einkassiert. Ich wusste ja, dass so eine Weltreise die Sicht auf einige Dinge verändert, aber dass es so einschneidend sein würde, hätte ich nun doch nicht gedacht.

Nachmittags war dann Michael auch doch noch mal rumgekommen, und hat gesagt, dass es ihm jetzt oder am nächsten Morgen passen würde mit dem Surfen. Schön, dann passt es mir auch. Da ich ja aber Ökonom bin, habe ich mich mit ihm auf den nächsten Morgen geeinigt, da man das Board dann für den Rest des Tages behalten durfte. Clever, was?

Morgens nach dem Frühstück sind wir dann runter zum Strand. Neben mir war noch Karl aus den USA dabei. Überraschenderweise hat Michael das dann sogar ganz gut gemacht, außer dass er nach Ablauf der Stunde einfach ohne ein Wort des Abschieds abgezogen ist und uns den Wellen überlasen hat. Nach den ersten Ermüdungserscheinungen bin ich wieder hoch zu unserer Behausung und Sabrina war in der Zwischenzeit schon in der Stadt gewesen um für unser leibliches Wohl zu sorgen. Leider war sie auf dem Rückweg mit ihren Billig – FlipFlops am Eingangstor hängen geblieben und hatte den folgenden Sturz in Ermangelung von freien Händen mit den Knien aufgefangen. Da hatten sich dann mittlerweile zwei schöne Eier gebildet. Wir ziehen in Erwägung, den Hersteller zu verklagen, so geht’s ja nun auch nicht. Ihre Yoga - Stunde, die sie eigentlich nehmen wollte, hatte sich damit auch erledigt. Ich habe - natürlich nicht aus eigener Erfahrung - nämlich gehört, dass eine ordentliche Portion auf den Knien rumrutschen dazu gehört.

Mein Gott, man wird auch nicht jünger. Ich habe mich wie eine Oma langgelegt-damit hatte sich die Yogastunde und alternativ das Surfen auch erledigt.
Ich bin dann im Laufe des Tages noch zweimal raus. Das lief sogar ganz gut, und es waren eigentlich nur relative Anfänger unterwegs, so dass man, wenn man mal wieder jemanden mit seinem sich selbstständig gemachten Board fast ein drittes Nasenloch geschossen hatte, ein aufmunterndes „Nicht schlimm, wir freuen uns doch für jeden, der mal für ein paar Sekunden auf dem Brett steht.“ erhielt, anstatt sofort was auf die Fresse zu bekommen. Gelernt habe ich auch noch eine wichtige Lektion. Mögen die Boardshorts aus Bangkok noch so täuschend echt aussehen, im Ernstfall zeigen sie ihr wahres Gesicht und hinterlassen einen wunderschönen Wolf.

Naja, wenigstens konnte ich Backo mit meinen Einkäufen erfreuen, nach der Surfstunde.
Sabrina hatte sich mittlerweile, da Michael eigentlich nie da war, als Assistentin der Geschäftsführung nützlich gemacht, Reservierungen angenommen und Beschwerden notiert. Mal sehen, wie sich das am Ende auf unsere Rechnung auswirkt.

Die Rezeption, die wir dann übernommen haben, nachdem wir die Geschäftsuntüchtigkeit von unserem Gastgeber nicht mehr ertragen konnten.
An unserem letzten Tag sind wir dann noch zu „The Point“ gelaufen, einem weiteren Strand ums Eck, wo Michael morgens immer surfen geht. Da sind die Wellen geringfügig höher, an diesem Tag um die 7 Meter. Das haben wir uns dann doch nur aus der Ferne angeguckt, ich möchte ja hier keinem die Schau stehlen.

Am Point Break-hier trauen sich nur die richtig großen Surferjungs hin. Da waren die Wellen gerne auch mal 7m hoch und wie zu sehen ist darunter nur Stein. Da sollte man schon wissen was man tut.

Wenn man sich hier langmacht sollte man irgendwo noch ein Sack voll Ersatzhaut haben.
Aber auch bei unserem Hausstrand waren mittlerweile ordentliche Brecher unterwegs. Generell bleibt aber zu sagen, dass so eine Brandung vor der Tür den Schlaf deutlich angenehmer macht als beispielsweise der Klang von arschgranatenvollen Halbstarken oder der nächtlichen Straßenbahn.

Abends haben wir dann noch die neuen Gäste, Katharina und Paul aus Deutschland in Empfang genommen und Ihnen unsere Anlage gezeigt. Für unsere Dienste haben wir Michael dann ein Pils und ein Kist - stellt euch Fanta mit zusätzlichen 15 Zuckerwürfeln vor - aus dem Kühlschrank gemopst. Wir haben uns dann noch ein bisschen mit den zwei unterhalten, die waren ziemlich nett. Katharina arbeitet im Marketing bei Osram, ganz zu meiner Zufriedenheit konnten wir aber nicht klären, ob es das Phoebuskartell zur Begrenzung der Brenndauer von Glühbirnen auf 1000 Stunden wirklich gab oder nicht. Ich halt euch diesbezüglich aber natürlich auf dem Laufenden.

Morgens geht’s dann weiter nach Bocas Brava, mal schauen, wie wir da hinkommen. Angeblich muss man für die Buszeiten Jimi anrufen, ich vermute, er ist hier das Äquivalent zum Geschäftsführer vom VRR. Ob das jetzt einfacher ist als ein Busfahrplan? Ich weiß es nicht.

Backo

P.S. Da unser Aktionsradius hier doch sehr begrenzt war, und wir euch nicht mit Bildern von uns in der Hängematte aus den diversesten Winkeln langweilen wollten, hier mal ein Bilderrätsel für alle Hobby – Orthopäden:

Was sehen wir hier?

Das kleine Qrthopädenquiz...

a) Ein Senkfuß.
b) Ein Spreizfuß.
c) Ein Plattfuß.
d) Alle Antworten sind richtig.

Zu gewinnen gibt es die original Schlappen mit Sand und Schweiß aus 7 Ländern.

11 April 2013

Panama City I Panama.

Ein kurzer Nachtrag noch zu Nicaragua. Irgendwie hatte man das Land ja immer noch so ein bisschen als gefährlich abgespeichert, und auch diverse Reaktionen aus dem Bekannten- und Verwandtenkreis waren eindeutig: "Nicaragua, da wollt ihr echt hin???". Aber, und das muss an dieser Stelle einmal in aller Deutlichkeit gesagt werden, wir haben uns kein einziges Mal unsicher gefühlt und wenn man sich vermutlich nicht völlig bescheuert anstellt, und durch das ärmste Viertel mit kompletter Videomontur und Rolex am Arm läuft, sollte man auch auf der sicheren Seite sein. Meine Rolex hatte ich ja bereits vorrauschauenderweise vor unserer Abreise schon an meinen Lieblingsflaschensammler im Rheinpark verschenkt, daher konnte mir da diesbezüglich sowieso nichts passieren. "Wie kommt der denn jetzt da drauf?" mag sich der ein oder andere Leser fragen, es geht doch jetzt um Panama. Sehr gut erkannt, aber genau deshalb komm ich da drauf, weil von Panama hatte man ein ganz anderes Bild, da war ich überhaupt nicht negativ voreingenommen. Und nach unserer Theorie ist das die Schuld oder wenn man es positiv ausdrücken will, der Verdienst von Janosch. Wir wurden doch alle einer Gehirnwäschen unterzogen und von wem? Einem leicht unterbelichteten Bären, einem Tiger und einer Tigerente, dessen Entstehung noch nie jemand hinterfragt zu haben scheint.  Hätten die nicht in einer Tour und in den höchsten Tönen von Panama geschwärmt, hätten wir uns vermutlich mit ähnlichen Nachfragen bzw. Zweifeln konfrontiert gesehen.

Schön wäre jedoch gewesen, wenn die Drei ein bisschen mehr ins Detail gegangen wären. Dann hätten wir uns sicherlich den Ausflug zum Panamakanal gespart. Auf die Gefahr hin, dass ich jetzt den Schifffahrtsingenieuren und deren Sympathisanten auf den Schlips trete, das Ding ist so unfassbar langweilig. Wir hatten echt nicht viel erwartet und wurden auch nicht enttäuscht. Ein Schiff fährt auf der einen Seite rein und auf der anderen Seite wieder raus. Wow!

DER Kanal-unsere Begeisterung hielt sich leider wirklich in Grenzen.

...Irgendwie hatte man sich das ein bisschen spektakulärer vorgestellt.

Wir haben natürlich brav gewartet bis wir den Schleusenvorgang einmal mit Schiff anschauen konnten.



... das hat es aber irgendwie auch nicht gerettet.


Naja wir können sagen, wir waren da:-) 
Und scheinbar haben wir schon einen spektakulären Tag erwischt, da das Costa Ricanisches Fernsehen da war?!
Und dafür knöpfen die einem 5 Dollar ab. 5 Dollar!!! Dafür hätte ich mir in Neuseeland 10 Kilo Pferdeäppel kaufen können, und wäre deutlich glücklicher gewesen. Falls die UNESCO jemals auf die Idee kommt, das Teil in die Liste der Weltkulturerbe aufzunehmen - so extrem wählerisch scheinen die ja nicht zu sein - werde ich persönlich eine Petition in Umlauf bringen, um das Ganze zu stoppen. Und als Gegenvorschlag den Münzbrunnen in Velbert City oder einen besonders schönen Pflasterstein auf dem Burgplatz in Düsseldorf einreichen. Wir vermuten, dass die Bewohner von Panama City früher statt Peitschenhieben Schleusenvorgänge als Strafe ertragen mussten: "Hiermit verurteilen wir Herrn Santa Cruz wegen Pferdeäppeldiebstahls zu 40 Schleusenvorgängen". Eine abscheuliche Vorstellung. Was das Dingen allerdings richtig gut kann, ist Kohle in das Land und primär in die Stadt spülen, die Skyline braucht sich vor deutlich größeren Städten nicht verstecken. Die liberale Steuerpolitik und die vielen Banken tun ihr übriges.
Panama Stadt-man sieht ziemlich gut, dass der Kanal hier ganz schön was an Kohle reinbringt.

Eine Skyline vom Feinsten.
Die Stadt ist aber auch ein Abbild der sozialen Ungleichheit. Casco Viejo, das historische Viertel, das 1673 gebaut, nachdem das alte Zentrum von Piraten zerstört wurde, hatte sich irgendwann zu einem Slum gewandelt. Zur Zeit wird das Viertel wieder aufgebaut, und im Moment stehen hier schöne restaurierte Häuser direkt neben den alten Baracken. Um den Touristen ein Gefühl von Sicherheit zu geben, stehen hier an jeder Ecke bewaffnete Polizisten oder Militär.

Hier in Casco Viejo wird gerade alles neu gemacht...

...um den alten Charme wieder herzustellen, ist ja schließlich UNESCO - Weltkulturerbe

Alt neben neu.

So wie rechts auf dem Bild soll hier dann alles wieder aussehen.
Abends bin ich dann noch mal am Wasser laufen gegangen und da war richtig was los. Hunderte waren da joggenderweise unterwegs oder haben auf einem der Hartplätze Foppes oder Basketball gespielt. Mein Highlight war der etwa 70jährige Senior, der mit Gewichten an Knöcheln und Handgelenken plus einem Satz kleiner Hanteln seiner Plauze im Schlenderschritt Herr zu werden versuchte.

Ansonsten waren wir noch in einer der Malls hier vor Ort, haben aber nichts von dem bekommen, was wir gesucht haben, außer einem paar schicke neue Flip Flops für Sabrina für 1,79$ - die alten hatten wir jetzt schon vier Mal versucht mit Sekundenkleber wieder flott zu bekommen.

Morgen geht's nach Santa Catalina, einem kleinen Örtchen im Süden von Panama. Da gibt's auch keine Schleusen, hab mich schon schlau gemacht.

Backo    

09 April 2013

Isla de Ometepe I Nicaragua.

Zurück nach Managua gings dann leider nicht mehr mit der Cessna, sondern mit einem normalen Flieger. Da hätte sich der eine Kanadier gar nicht morgens um 5.30 Uhr mit einem halben Liter Schnaps aus der Listerine – Pulle beruhigen müssen, war ja halb so schlimm. Ob man da wohl von einem Alkoholproblem ausgehen muss? Man weiß es nicht.

 In Managua haben wir dann ein Taxi zum Busbahnhof genommen, wo der Express nach San Jorge abfahren sollte. Da wurde man dann auch direkt von diversen Menschen zum richtigen Bussteig gebrüllt. So auf den ersten und zugegebenermaßen einzigen Blick haben wir alles richtig gemacht bei der Entscheidung, die Hauptstadt auf unserer Reiseroute nicht zu berücksichtigen. Falls wir Managua damit unrecht tun sollten, entschuldigen wir uns hiermit an dieser Stelle in aller Form.

Der Bus hat uns dann direkt zur Fähre gebracht, am Eingang zum Hafen mussten wir dann direkt unsere 10 Cordoba für die Überfahrt bezahlen. „Das ist aber günstig, dachten wir uns da noch“. Beim zweiten Bezahlvorgang auf dem Boot wurden wir dann aufgeklärt, dass es sich da nur um den Eintritt in den Vergnügungspark „Miniaturhafen“ gehandelt habe. Und ich sag mal so, Disneyland war das nicht. Aber gut, mit summa summarum 45 Schleifen (1,40€) war man natürlich immer noch ganz gut im Budget. Angekommen in Moyogalpa mussten wir uns sputen, da der Bus nach Mérida schon auf dem Sprung war. Zeit um noch Geld im laut Anschlag einzigen ATM der Insel zu ziehen, war leider nicht mehr. „Egal, wird schon passen“. Der Bus war ein alter amerikanischer Schulbus, der uns die nächsten 3 Stunden gemütlich über die Insel gejuckelt hat. In Ermangelung anderer Fortbewegungsmittel wird dann auch alles transportiert, was nicht niet- und nagelfest ist. Unsere Reisegruppe wurde auf der Busfahrt leider getrennt, so dass ich neben einem schlafenden Nicaraguaner saß, und Sabrina mit wechselnder Besetzung konfrontiert wurde: Zwei Ösis, einer mit zauberhaftem Schnuppi, und einer Spanierin, die gerade ihre Doktorarbeit in Sexualkunde schreibt – ich vermute mit dem Thema „Sexuale Anziehungskraft von Achsel- und Beinbehaarung im 21. Jahrhundert“, selbstverständlich hat sie es sich nicht nehmen lassen, selber Teil des Forschungspanels zu sein. Das ist übrigens offensichtlich ein Trend, der sich neben dem sehr zu begrüßenden Schnorres-Revival international ebenfalls durchzusetzen scheint. Bitte um Feedback, dass dieser den Weg noch nicht nach Deutschland gefunden hat, und es auch keine Anzeichen dafür gibt.

Für die ganz wissbegierigen unter den Lesern noch ein paar Fun – Facts zu Ometepe: Es handelt sich um die größte vulkanische Insel der Welt, die in einem Süßwassersee liegt. Ob es vielleicht auch die Einzige ist, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis. Und für die 1 Millionen Euronen Frage beim Günni: Ometepe unterhält eine Städtepartnerschaft mit Herne – ist das ein Ding? 

Der größere der beiden Vulkane auf der Isla de Ometepe - Concepción.

Und hier noch mal vom See aus.


Eins der zahlreichen Ferkel, die hier auf der Straße rumlaufen.

Nach 3 Stunden hingen dann sowohl Sitzfleisch als auch Magen in den Kniekehlen und natürlich haben wir extra wieder nichts zu trinken dabei gehabt, um das ganze herausfordernder zu gestalten. Die geschäftstüchtige junge Frau am Fuße des Hügels, der zu unserer Bleibe führte, hat das aber mit ihrem Adlerauge sofort erkannt, und uns zu ihrer Pulperia gelotst. Da haben wir das erste Mal gemerkt, dass wir uns bis jetzt mit Granada und den Corn Islands die teuersten Orte ausgesucht hatten. Hier gab es einmal Cola und einmal Cola Zero für 28 Cordobas (1€). Frisch gestärkt sind wir dann elfengleich den Berg hochgeschwebt, wo uns Hari schon erwartete. Die nächsten 4 Tage würden wir nämlich bei Hari’s Horses bzw. auf der Finca Montana Sagrada verbringen. Wir hatten eigentlich einen Einheimischen erwartet, aber gegenüber stand uns ein gebürtiger Schleswig – Holsteiner. Stellt euch eine Mischung aus Doc Brown aus Zurück in die Zukunft und Rainer Langhans vor und ihr habt ein ganz gutes Bild von Hari. Der hat uns dann als erstes unsere Cabina gezeigt, und wir konnten unser Gepäck ablegen.

Unsere Terrasse.


Von unserer Terrasse aus mit Blick auf den zweiten Vulkan auf der Insel - Maderas.

Hari, seine italienische Frau Mirka und die dritte im Bunde Marilena, ebenfalls Italienerin, haben hier ein richtiges Paradies geschaffen. Ein riesiges Gelände mit wunderschönen Hütten und einem Haufen Tiere. Neben den 4 Chiuahuas, 1 Beagle (Babsi, reiß dich bitte zusammen) und zwei Mischlingen gab es 4 peruanische Nackthunde, die aussahen, wie direkt vom Friedhof der Kuscheltiere. Wenn du die Kollegen als Wachhunde hast, brauchen die noch nicht mal bellen, da nimmt garantiert jeder Einbrecher Reißaus. Allerdings handelt es sich hier um eine der ältesten Hunderassen der Welt und ihnen wird eine heilende Wirkung zugesprochen, wenn man sie sich ins Bett legt. Konnte jedoch bis heute noch nicht nachgewiesen werden, da sich jede Versuchsperson morgens zu Tode erschreckt hat. Wir haben die Bengels aber trotz ihres unvorteilhaften Aussehens richtig ins Herz geschlossen, die waren so unglaublich kuschelig. 

Auf unserer Finca.


Bei denen wächst und gedeiht diverses-ich glaube wir haben uns fünf Tage quasi nur von Finca Erzeugnissen ernährt.
Frisch gepflückt und direkt weiter verarbeitet.
Das war ein Teil unserer Hundebagage beim Gassi gehen.


Rojo - Unser Liebling auf der Finca-das war Liebe auf den 3.-5. Blick, da der peruanische Nackthund, als die Schönheit verteilt wurde, nicht ganz vorne stand. Aber der war so unfassbar süß!

Hari selber war auch ne ganz eigene Marke. Mit 17 hat er Deutschland den Rücken gekehrt, um in Indien mal eben Hindi zu lernen und als Yogi zu leben. Nach 10 Jahren wurde er aufgrund einer fehlenden Aufenthaltserlaubnis da rausgeschmissen, und hat dann 10 Jahre in Italien gelebt, bevor er nach einem Jahr in Costa Rica hier in Nicaragua gelandet ist. Trotz der immer wieder bei Auswanderern und Aussteigern zu bemerkenden äußerst kurzen Aufmerksamkeitsspanne („Ja, ja…Hm,Hm… Ich muss weg“) hat es richtig Bock gemacht, sich mit ihm zu unterhalten, der hatte richtig was zu erzählen. Und so ein bisschen der Conny Reimann von Ometepe ist er auch. Hier kauft er von einem Einheimischen mal ein Pferd für 35$, da lässt er mal Sand morgens um 5 anliefern, „weil das nicht so ganz legal vom Strand kommt“. Ein super Typ.

Netterweise hat uns Mirka nach unserer Ankunft noch ein bisschen was gekocht, und wie es sich für eine Italienerin gehört, gab es Pasta mit selbstgemachter Pesto direkt aus dem eigenen Garten. Nach diversen Wochen Reis und Bohnen war das eine willkommene Abwechslung, und hat dazu auch noch so gut geschmeckt, dass wir danach jeden Abend dort gegessen haben.

Unsere Finca-Küche. Hatten wir eigentlich nichts mit am Hut, da wir morgens und abends reichlich bewirtet wurden. Nur mal ein Fläschchen selbstgefiltertes Vulkan - Wasser haben wir uns mal aus dem Kühlschrank geholt.

Am nächsten Morgen hatte sich das Problem mit dem Geld immer noch nicht von selbst gelöst, und mit Kreditkarte zahlen ging bei Hari auch nicht. Dafür hatte er aber ein Fahrrad, was er mir leihen konnte. Also bin ich mal eben nach Altagracia geradelt, besonders die ersten bzw. letzten 5 Kilometer waren zauberhaft über die ungepflasterte und mit dicken Steinen übersäte Staubstraße. Als ich komplett verdreckt und verschwitzt zurück war, war die Finca verlassen und der Schlüssel nirgends zu finden. Die Hunde waren auch weg, so dass ich völlig ohne Entertainment da stand. Also hab ich es mir mit unserem Wörterbuch „Last Minute Spanisch“ auf der Terrasse gemütlich gemacht. Wenn man davon ausgeht, dass dieses Buch wirklich nur Leute in der Tasche haben, die komplett verzweifelt sind, weil sie noch nicht mal ein Bier auf Spanisch bestellen können, wundert einen die Zusammenstellung der Worte und Redewendungen schon: Ob man jemals in einem Gespräch soweit kommt, dass man Sätze wie „Aber nur mit Kondom“ braucht, wage ich zu bezweifeln. Allerdings wird einem der Weg dorthin durchaus bereitet, denn auch der Klassiker „Ich sammle Briefmarken“ ist hier zu finden, und der öffnet ja bekanntlich viele Türen. Außerdem habe ich gelernt, dass „Escalado“ nicht der Aufzug, sondern der „Stufenhaarschnitt“ ist. Nachdem ich mich für die nächsten tiefschürfenden Gespräche in den Bereichen Verhütung, Philatelie und Frisuren gerüstet hatte, tauchte Hari doch noch auf, und fuhr mit mir nach San Ramon, um die Mädels samt Hunden abzuholen, die es sich dort in einem kleinen Restaurant gemütlich gemacht hatten.

Man meint gar nicht, wie schnell ein Schwein rennen kann, wenn 10 Hunde hinter dem her sind.

Dort gab es dann Bier und Reis und Bohnen. Danach war dann aber wirklich Zeit für die Hängematte, am nächsten Tag sollte es ja morgens schon mit Hari auf Reit-Tour gehen.

Ein bisschen hatten wir dann doch die Hosen voll, da wir ja beide noch nie geritten sind, außer mal auf dem Kinderkarussell und das war ja nun auch schon ein paar Jährchen her. Hari konnte uns aber beruhigen, wir würden nicht im englischen, sondern im amerikanischen Western – Stil reiten. Puh, da haben wir aber tief durchgeatmet…der englische Stil ist ja so gar nicht unserer. Nachdem wir uns dann mit unseren Pferden Pinto und Marihuano (kein Scheiß, so hieß der wirklich) angefreundet hatten, gings auch schon drauf auf den Sattel. Und an dieser Stelle einen großen Dank an Hari, auch wenn er netterweise so getan hat, als wenn wir uns gar nicht so doof anstellen würden, hatte er die Hoppegäule ganz offensichtlich vorher auf Autopilot eingestellt. Schritt, Trab oder Galopp, das hat das Pferd primär dann doch selbst entschieden. Leider hatten Marihuano und ich im zweiten Teil der Strecke leicht unterschiedliche Rhythmen im schnelleren Trab, er Rock’n’Roll, ich eher Kuschelrock. Die Einheimischen haben sich beschissen vor Lachen, als ich da mit nem halben Meter Spiel unterm Arsch an den vorbeigehoppelt kam. Souverän ist anders. Sabrina hat sich da auf Pinto deutlich besser angestellt, da gab es nur mal eine ungewollte Pause, wenn die Mangos auf dem Boden interessanter waren als die Kommandos der Reiterin. Aber wir sind ohne Absturz wieder heil auf der Finca angekommen, Spaß gemacht hat es auch und die Strecke war großartig, mit schönen Ausblicken über die ganze Insel und auf die Vulkane.

Wir versuchen uns anzufreunden.

Mein Freund - Pinto.

Backos Kamerad - Marihuano.

Dafür, dass wir das erste Mal behuft unterwegs waren, haben wir uns glaub ich nicht ganz so doof angestellt.

Unser Anführer Hari.

Während unserem Ausritt sind wir einen Teil des Trecks geritten, der auf den Vulkan geführt hätte.


Ganz lässig der Herr.

Ausblick während unseres Ausritts.

Man beachte meine Frisur-zu Beginn den Ausritts hatte ich einen Dutt auf dem Kopf - nach dem ersten Galopp ist die Frisur leicht mutiert. Das Pferd war echt deutlich flotter als erwartet. Meine Frisur hat sich eher auf Schritt eingestellt.

War gar nicht so einfach, das Foto zu machen, wenn mal selber wie ne besoffene Marionette in dem Sattel hängt.

Ich hatte ein von Hari angepriesenes Charakter-Pferd, was gerne mal selbstständig den ein oder anderen Fress-Stopp einlegt, wenn man nicht durchgreift. Bei gefühlten 1000 Bananenplantagen und Mangobäumen hatte ich allerhand zu tun.

Danach hatten wir uns dann auch wirklich ein Stündchen in der Hängematte und abends einen ordentlichen Teller Pasta verdient.

Gute 50% des Tages sah das so aus.

Mittlerweile waren auch noch neue Gäste angekommen, Marco, ein Deutscher der seit 20 Jahren in Granada lebt, samt Frau und Tochter. Eins der schönsten Paare seit Dieter Hallervorden und Helga Feddersen. Er in Jürgen von der Lippe – Gedächtnis – Hawaiihemd und die dort auftretenden Formen und Farben absichtlich nicht aufgreifenden aber nicht weniger bunten Boardshort plus schwarzem Kassengestell, welches locker noch für ein weiteres Augenpaar gereicht hätte. Sie in Bikini, Afro und einem ähnlichen Nasenfahrrad, welches zudem noch mit glasbausteindicken Gläsern bestückt war, was einen leicht vergrößernden Effekt auf die Augen hatte. Die waren aber eigentlich auch ganz nett, am nächsten Tag aber auch schon wieder weg, so dass eher der optische Eindruck hängengeblieben ist. Am selben Tag sind wir auch noch in den „Genuss“ gekommen, Alvaro kennenzulernen. Der Kollege führt die Hacienda Merida, die uns in Neuseeland von den Franzosen empfohlen worden war. Das vorweg, wir waren so froh, dass wir nicht dort genächtigt haben. Der Typ hat sie nicht mehr alle, das hatte uns Hari auch schon mit auf den Weg gegeben. Eigentlich wollten wir auch dort nur eine Kleinigkeit essen und das Wifi nutzen. Kaum angekommen, kam der Typ an und hat sich ungefragt an unseren Tisch gesetzt. Auf die Frage, ob wir den Wifi – Code bekommen könnten, hat er gesagt: „Ja, aber erst in 15 Minuten, sonst unterhaltet ihr euch nicht mit mir“. Ah ja. Überall in seinem Hostel hängen übrigens Schilder, was man alles nicht darf. Als nächstes hat er sich beschwert, dass ich den Strohhalm, der mir zu meinem Saft gereicht wurde, benutzt habe, da ja „der ganze Müll der Touristen auf der Insel bleiben würde“. Der hat noch ne Menge mehr Blödsinn geredet, aber mit Rücksicht auf meinen Blutdruck spar ich mir das jetzt mal. Später, nachdem wir das Internet nutzen durften, hat er uns noch auf eine Tour durch seine Anlage genommen… nicht das wir danach gefragt hatten. Der sammelt hier auf der Insel den ganzen Müll in Plastikflaschen und baut dann Schulen und Sitzmöglichkeiten und so einen Kram daraus. Ist ja im Grunde eine unterstützenswerte Idee, aber der ist so richtig Diktator-mäßig unterwegs. Bevor seine Mitarbeiter ihren Wochenlohn bekommen, müssen sie erst eine mit Plastikmüll gefüllte Plastikflasche vorweisen. Auf die Frage, warum er denn z.B. nicht einfach keine Strohhalme mehr ausgibt, um Müll zu reduzieren, anstatt hinterher alles zu verklappen – über so viele Hintern oder Schüler verfügen die hier ja gar nicht – wusste er dann irgendwie auch keine richtige Antwort. Als Hostelbesitzer im speziellen und als Mensch im allgemeinen ist der auf jeden Fall nicht zu gebrauchen, daher haben wir nach der Tour zugesehen, dass wir so schnell wie möglich Land gewinnen.  

Am nächsten Tag hatten wir dann Nachmittags noch die Kayak – Tour im Istiam – Fluss gebucht. Die haben wir zusammen mit einem Guide und Ruddy und Charlotte aus Frankreich gemacht. An die beiden konnten wir uns noch erinnern, da wir die schon auf Corn Island gesehen hatten, aber dort nicht mit denen ins Gespräch gekommen sind. Die waren supernett und witzig, und hatten eine sehr ähnliche Art von Humor, das findet man ja auch nicht so oft. Daher haben wir uns mit denen auch noch lose auf ein Käffchen in Panama verabredet, da sie dort auch in 1 Woche hinwollten. Der Istiam war leider durch die Trockenzeit ziemlich flach, so dass wir den nur ein paar hundert Meter weit befahren konnten. Da gab es aber trotzdem schon jede Menge lustiges Federvieh und einen Kaiman mit Fisch im Maul haben wir auch gesehen. Den Rest der Zeit haben wir damit verbracht, auf dem See rumzuschippern und uns ist wieder mal aufgefallen, Kayaken wäre ein schöner Sport, wenn das nervige Paddeln nicht wär.

Auf unserem Kajak-Ausflug auf dem Lake Nicaragua.


Ich habe versucht so zu tun, als würde ich einen erheblichen Teil beim Paddeln beitragen-naja ich hab eher Fotos gemacht, zweimal gepaddelt, Fotos gemacht etc.

Auf dem Istiam River.

Auf dem Lake Nicaragua.

Hier haben wir einen Kaiman gesehen-keine Ahnung wie das funktioniert, dass der in dem Fluss wohnen kann. Das Wasser ist in der Trockenzeit da so flach.

Wir waren dieses Mal hochzufrieden mit unserer Kajak-Performance obwohl wir seit Asien nicht mehr geübt hatten. Wahrscheinlich lag es daran, dass ich die ganze Zeit Fotos gemacht habe und nicht wirklich gepaddelt hab.
Nach unser Rückkehr gab es aber noch einen schönen Sonnenuntergang am Strand.

Sonnenuntergang auf dem Lake Nicaragua.

Und wir können von Glück sagen, dass wir unsere Stirnlampe dabei hatten, ohne Bänderriss oder Schlimmerem hätten wir es nicht zurück zum Hari geschafft. Und das war es dann auch leider schon mit Hari’s Horses, am nächsten Morgen mussten wir uns schon von der ganzen Truppe verabschieden. Da hatte man dann doch eine Träne im Knopfloch, hier hat es uns sehr gut gefallen, und man hat sich fast wie zu Hause gefühlt.

Zurück ging es dann wieder 3 Stunden mit dem Chicken – Bus und der Fähre, bzw. dem kleinen Frachtboot. Der Wind hatte sich extra für uns aufgehübscht, so dass es nicht langweilig wurde. Da wurde auch endlich mal wieder ein bisschen gebrochen, und da es hier keine Kotztüten gab, wurde das Ganze dann im Gang erledigt. Durch die immer wieder reinschwappenden Wellen wurde das aber auch schnell wieder geputzt, so dass man auch hier am Ende sicher wieder die 3 Sekunden – Regel hätte anwenden können. Mein persönliches Highlight war aber die Welle die ohne Übertreibung höchstens 30 Meter vom Hafen auf dem Festland entfernt noch einmal alles gegeben hat und den zwei Plätze neben mir sitzenden Nica komplett überspült hat. Der war klatschnass, und hatte sich mit Anzughose, einem schicken Lederslipper und einem Hemd doch extra so schick gemacht. Der fand es aber eigentlich auch ganz lustig.

Sonntag ist Waschtag-alle Mann (plus Tiere) in den Fluss mit Klamotten.
Nach zwei weiteren Wechseln der Fortbewegungsmittel waren wir dann gegen 4 wieder in Granada. Sabrina hat sich in der Stadt absetzen lassen, um noch ein paar Besorgungen zu machen und ich bin zum Hostel mit unserem ganzen Gepäck. Leider war dort keiner, so dass ich dann mit 3 Rucksäcken und der Wanderklampfe in die Stadt gelatscht bin. Wenigstens haben wir auch nichts von dem bekommen, was wir noch kaufen wollten, da Sonntag war, und da keiner Bock hatte, Geld zu verdienen. So haben wir nur kurz was gefuttert, sind für 4 Stunden Schlaf ins Hostel und am nächsten Tag mit dem Tica – Bus zurück nach San Jose. Die Fahrt war unspektakulär abgesehen von der Tatsache, dass die costa ricanische Black Metal – Band „Rotten Souls“ (wie auch sonst) bei uns mit im Bus saß. Das waren ziemlich nette Jungs, so richtig ernst nehmen kann man ihre Kriegsbemalung und die bösen Gesichter, die sie geschäftlich tragen, allerdings nicht, wenn man sie im Bus auf ihrem Nackenhörnchen schlafen sieht. Aber gut, das ganze Headbangen geht natürlich auch nicht spurlos an einem vorbei. Wenigstens hatten sie aber ganz rockstarmäßig sargähnliche Gitarrenkoffer dabei und schon mittags Rum getrunken. Haben uns das mal gerade bei YouTube angehört, ist gar nicht schlecht, auch wenn Black Metal einfach nicht so 100% mein Ding ist.

Morgens geht’s dann weiter nach Panama, und wir sind ein bisschen traurig, dass wir Nicaragua verlassen mussten, das hat uns sehr gut da gefallen und wir wären gerne noch ein paar Tage geblieben, aber was soll man machen...Termine, Termine, Termine. Und wie sagt man doch: „Oh, wie schön ist Panama“, daher sollte auch da eigentlich nichts schief gehen.

Backo