25 April 2013

Boquete I Panama.

Nachdem wir es tatsächlich ohne weitere Blessuren ins Boot geschafft hatten, sind wir mit dem Sammeltaxi und dem Bus nach Boquete gefahren. Mit uns unterwegs war noch ein anderes deutsches Pärchen, das gerade von den San Blas Inseln zurückkam und total begeistert war. Na ja, die Entscheidung für Bocas del Torro war jetzt aber schon gefallen.

Das Transportmittel war höchst fragwürdig-Ein Collectivo was uns an eine Kreuzung gebracht hat, damit man da den nächsten Bus anhalten kann-wir mussten uns mit dem Hut (der als Helm fungierte) abwechseln, da der mit der Schrottkiste ziemlich über die Schotterpiste gehackt ist...

wir waren ja froh, dass es wenigstens das Gestänge zum Festhalten gab.

Auf dem Weg nach Boquete.

In Boquete haben wir uns von der Sekunde, in der wir den Bus verlassen hatten direkt wohlgefühlt, ohne genau zu wissen warum. Der Eindruck hat sich dann bei der Ankunft in unserer Unterkunft "Hostal Refugio del Rio" noch einmal bestätigt. Das Teil war echt der Hammer, wir bewohnten ein Baumhaus direkt am Fluss, der hinter dem Haus herlief. Die Besitzer und die restliche Crew waren supernett und hilfsbereit, es gab zur Kostenersparnis eine komplett eingerichtete Küche mit allem Schnick und Schnack und auch die restlichen Gäste schienen nett zu sein. Also haben wir uns erst mal im lokalen Supermercado mit Lebensmitteln eingedeckt und dann noch ein bisschen auf unser Terrasse rumgegammelt.

In Boquete, an dem Flüsschen lag unser Hostel - wirklich eines der schönsten in dem wir bis jetzt waren!

Wenn die Reise rum ist und ich nirgends zum Zahnarzt musste ist meine allergrößte Sorge vergessen.


Die haben hier die Steine umfunktioniert..."Was kann man aus Steinen bauen?" Nicht nur einen Steinmenschen sondern auch einen Wal-hätte Werner Schulze Erdel das gewusst...


Boquete ist echt ein süßes Städtchen und wir haben uns hier von Anfang an wohl gefühlt.

Am nächsten Tag wollten wir den angepriesenen Wasserfall - Hike machen. Um uns noch einmal zu vergewissern haben wir den Busfahrer nach dem Weg gefragt, der schnurstracks nach links zeigte, das nach rechts zeigende Schild mit der Aufschrift "Waterfalls" ignorierend. Aber gut, der wird's schon wissen. Wir haben uns dann noch von einer netten Dame sagen lassen, dass das genau der richtige Weg wäre und los gings. Mit uns unterwegs waren noch ein Pärchen aus Kalifornien und ein Deutscher, die mit uns im Bus gesessen hatten. Letzter hatte gerade Abi gemacht, und war für drei Monate unterwegs, leider ist ihm bereits nach 2 Wochen in Bocas del Torro seine weibliche Reisebegleitung abhanden gekommen. Nach dem Open Water Course hat ihr das Tauchen so gut gefallen, dass sie jetzt zwei Monate da bleibt, und ihren Divemaster macht. Ist natürlich auch nicht so die feine, englische Art, zumal das seine Eltern wohl nicht so ne gute Idee fanden, dass er jetzt alleine durch die Gegend reist, und er jetzt auch noch früher nach Hause fliegt. Ich denke mal, die Freundschaft könnte dadurch einen kleinen Knacks bekommen haben. Der Treck war dann auch ganz nett, ein bisschen gewundert haben wir uns aber doch, als wir am Wasserfall ankamen, da man erstens nicht schwimmen konnte und zweitens es ja eigentlich drei Wasserfälle hintereinander sein sollten, von denen war aber weit und breit nichts zu sehen.

Auf dem Weg zum Wasserfall.


Asia-Style. Die kleinen Bengels wollten uns wieder Geld abknüpfen für ??? Naja hat er nicht bekommen und mochte uns dann auch nicht mehr.


Wir hatten da auch zufällig eine ganz lustige Reisegruppe gebildet mit einem Amipärchen, die auch ein Jahr unterwegs sind und noch nem Deutschen der für 3 Monate nach dem Abi hier rumreist.


Zumindest gab's ein paar schöne Schmetterlinge zu sehen.


Trotzdem war es ein schöner Hike-zwar nicht der, den wir dachten zu machen, aber wer sieht das schon so eng.


Tadaa - der Wasserfal in dem man schwimmen kann?!? Wohl eher nicht...


Lustiger Pilz den wir auf dem "falschen" Wasserfall-Hike entdeckt haben.

Auf dem Weg runter mussten wir dann auch drei Dollar berappen für den Eintritt in den Nationalpark. Und wer saß da im Kassenhäuschen? Die Dame, die uns versichert hat, dass wir auf dem richtigen Weg seien. Waren wir natürlich nicht, wir hätten einfach nur den Schildern folgen müssen. Aber die Geschäftstüchtigkeit werde ich den Mittelamerikanern nie wieder absprechen.

Den folgenden Tag haben wir mehr oder weniger im Hostel - eigenen Jacuzzi verbracht, das Klima ist hier ja deutlich kühler, nachts wird's dann auch mal wieder relativ kalt. Da saßen dann schon mittags um 1 Alex aus England und Fletcher aus den USA. Die hatten nämlich in der Nacht zuvor den Baru Vulkan und gleichzeitig höchsten Punkt Panamas bestiegen, und waren ziemlich begeistert. Anstrengend, ja, aber für den Ausblick lohnt es sich, bei gutem Wetter kann man sowohl den pazifischen Ozean als auch die Karibik sehen. Ich hatte ja auch schon mit der Besteigung geliebäugelt, aber Sabrina war sich nicht sicher. Die zwei Jungens schienen auf jeden Fall noch ganz fit zu sein, und auch 10 Bierchen im Whirlpool und in der Kneipe rumhängen bis 2.30 Uhr morgens konnte ihnen nichts anhaben. Das sollten wir dann ja wohl auch schaffen. Sabrina hat zur Sicherheit in den folgenden zwei Tagen noch diverseste qualitative Tiefeninterviews geführt, um ganz sicher zu gehen. Aber sogar die, die sich selber eher als sportliche Legastheniker beschrieben, waren der Meinung, dass man das durchaus schaffen kann. Da auch noch ein paar andere Leute das Abenteuer wagen wollten, haben wir uns dann entschieden, das zu machen. Zuerst stand aber am nächsten Morgen noch die Kaffeetour an.

Abends haben wir uns beim Essen erst mit Federico aus Chile und Claire aus Australien bis morgens um 2.30 Uhr festgequatscht, aber Schlaf ist ja sowieso überbewertet und die Wanderung sollte ja auch ein Kinderspiel sein und morgens würde es ja jede Menge Kaffee geben. Federico ist seit über einem Jahr unterwegs und hatte uns als nützlichen Tipp für einen möglichen zukünftigen Trip nach Chile mit auf den Weg gegeben, auf jeden Fall etwas Meskalin aus den sich dort befindlichen Kakteen zu extrahieren, das würde einen erst in die richtige Stimmung bringen. Insofern man „generell an so was Interesse hat“. Muss man dann wohl spontan vor Ort entscheiden, denke ich. Der Kollege ist übrigens auch in 4,5 Stunden den Vulkan mit vollem Gepäck hochgesprintet, vermutlich war da auch irgendwas Illegales mit im Spiel. Das würde auch erklären, dass er und sein Kumpel vergessen haben, einen Schlafsack mitzunehmen. Eher ungünstig, wenn man vorhat, kurz vor dem Gipfel bei 0 Grad zu campen. Kein Wunder, dass die zwei Spezies kein Auge zu getan haben.

Am nächsten Morgen wurden wir um kurz vor 9 von Rich zur Kaffeetour abgeholt. Boquete ist ja durch das kühlere und feuchtere Klima als Kaffeestadt bekannt, Panama produziert zwar nur ein Bruchteil des weltweiten Outputs, aber die Qualität ist dafür anscheinend sehr hoch. Nachdem wir noch vier weitere Kaffeefreunde eingesammelt hatten, gings los zur "Finca Dos Jefes". Rich ist Amerikaner und wollte hier in Boquete eigentlich nur seinen Alterswohnsitz einrichten, hat dann aber eine kleine Kaffeeplantage gekauft und baut seit dem organischen Kaffee an.

Das war der Besitzer Rich der uns wirklich alles mögliche über Kaffeeproduktion, die Industrie, die Umstände, Ethik usw. erzählt hat.

Nachdem die Staatszugehörigkeit abgefragt worden war, erzählte er uns, dass er auch nach Deutschland exportiert, und wer ist der Abnehmer? Woyton in Düsseldorf! Ist das ein Dingen?  So klein ist die Kaffeewelt.

Das war die organische Farm, die ausschließlich nach Düsseldorf exportiert und sonst nur für Panama bestimmt ist. In Düsseldorf hat er scheinbar einen gefunden, der seine Kaffeephilosophie komplett teilt. War für ihn auf jeden Fall ein super Aufhänger, dass wir aus Düsseldorf sind.

Zwischen den Zeilen konnte man raushören, dass Rich das Einkommen aus der Plantage nicht wirklich nötig hat, daher kann er seinen Arbeitern auch mehr zahlen und auch die Behausungen sind deutlich komfortabler als die Wellblechhütten, in denen Plantagenarbeiter sonst wohnen müssen. Bevor wir ein bisschen über die Plantage geeiert sind, hat er uns ein bisschen über die wirtschaftliche Lage und die Geschichte des Kaffee erzählt.

Die ganze Farm war total schön hergerichtet-da hat man gemerkt, dass der Herr seinen Ruhestand da genießt und sich noch ein schönes Hobby geschaffen hat.


Das hat überall so richtig lecker gerochen, weil natürlich Kaffee in Unmengen da rumsteht.

Starbucks scheint auf jeden Fall der Osama bin Laden der Kaffeeindustrie zu sein, der hat ja auch eher weniger Likes bei Facebook bekommen. Aber das ist echt schon krass, wie sehr der kleine Kaffeebauer hier abgezogen wird, ich geh jetzt nur noch zu Woyton. Danach durften wir auch mal eine Kaffeebeere probieren, die überraschend süß und lecker schmeckt.

So sieht die Frucht aus, wenn sie pflückbereit ist-das Ding hat echt super geschmeckt. Wie richtiges Obst, ganz süß und das Koffein gibt's gratis on top.

Unser absolutes Highlight waren aber die getrockneten Beeren. Nach 25 Tagen in der Sonne riechen die so geil, dass man eigentlich sofort eine Hand voll einschmeißen möchte.

Hier werden die Kaffefrüchte für 25 Tage getrocknet bevor es an die Bohne geht.


Das klassische Kaffee-Schnüffel Foto. Aber es hat auch wirklich mega lecker gerochen.


Hier noch mal aus Nähe, nehmt gerne mal ein Näschen.

Nachdem wir uns die Plantage angeguckt hatten, gings dann endlich zum Testen. Drei verschiedene Röstungsstufen durften wir in uns reinkippen, zugegebenermaßen waren die Unterschiede für uns eher marginal. Ich durfte danach dann auch noch ein bisschen Kaffee selber rösten, den wir dann auch mit nach Hause nehmen durften.

Da wird gewogen-wie in der Dallmeyer Werbung.


Probeböhnchen die der Chef des Hauses dann erst mal visuell bewertet hat.


Backo hat die Ausbildung im Schnellverfahren hervorragend bestanden.
Den selbstgerösteten Kaffee durften wir dann auch mitnehmen, also Tester (in der Fachsprache: Cuppers) sind herzlich willkommen.
Zum Abschluss gabs noch zwei Pils auf den Liter Kaffee obendrauf und damit war man schon mittags um 12 durchaus ein wenig angebrütet. Das war vermutlich auch der Grund, warum wir uns nach der Rückkehr ins Hostel dann final zur Vulkanbesteigung verpflichtet haben.

Nach einer Portion Salat mit Bratkartoffeln und Spiegelei, die sogar die Kollegen vom Himmel & Ähd vor Neid hätten erblassen lassen, gings dann um 23.30 Uhr mit dem Taxi los. Das sollte uns am Start des Trecks rauslassen. Das Angebot von den Jungs aus dem Hostel, uns für 15$ pro Person die ersten 4 km den Berg hochzufahren haben wir dankend abgelehnt. Auf so einen Mickey Mouse – Geburtstag lassen wir uns doch nicht ein, wenn schon, dann auch ganz. Um genau 23.55 Uhr machte sich dann unsere lustige Wandertruppe auf den Weg. Neben uns beiden gehörten dazu noch Lucy aus England, Sarah aus Kanada und Nadja und Joel aus Schweden. Die ersten Verluste hatten wir schon nach 500 Metern zu beklagen. Nadja leidet unter Asthma und die Steigung hat ihr so zu schaffen gemacht, dass die Beiden umkehren, und wie wir später erfahren haben, 2,5 Stunden zurück nach Boquete laufen mussten, da um halb Eins nachts natürlich auch kein Taxi zufällig darauf wartet, dass jemand den Berg runtergelatscht kommt.

Lucy hatte in ihrem Ipod einen Schritt-, Km- und Kalorienzähler, so dass wir unseren Weg nach oben ganz gut einteilen konnten. Wir wollten nämlich vermeiden, zu früh am Gipfel zu sein, und ewig in der Kälte auf den Sonnenuntergang warten zu müssen. Das Teil funktionierte ohne GPS, aber – wie genau, ist mir bis heute schleierhaft – erstaunlich akkurat. Was bereits nach der Hälfte des Weges nicht mehr ganz so akkurat funktionierte, waren unsere Körper. Potzblitz, war das steil! Und auch mit Kopflampen war das noch ordentlich dunkel, so dass man sich auch alle naselang fast aufs Maul gepackt hätte. Dafür gabs als Belohnung einen wunderschönen Sternenhimmel mit der ein oder anderen Sternschnuppe. Außerdem gab es just in jener Nacht wohl eine Menge Meteoritenschauer, die wir aber nicht gesehen haben. Nach 5,5 Stunden waren wir dann endlich oben angekommen, und da wartete bereits eine andere 8-köpfige Truppe, die bereits seit 1,5 Stunden in der Kälte saß… Amateure.

Das war leicht irritierend auf dem Vulkan. Ziemlich viel Technik für so einen hohen Punkt.


Der höchste Punkt Panamas 3.475m.


Wir haben das Schlimmste geschafft...



...dachten wir da noch ziemlich zuversichtlich, aber wir haben den Rückweg unterschätzt.

Der Sonnenaufgang war dann wirklich sehr schön, beide Küsten haben wir aber aufgrund der Wolkendecke nicht gesehen.

Wir haben uns über jeden mm Sonne mehr gefreut.


Es war so eisekalt - ca 0° mit Wind und nicht wirklich dafür gemachten Klamotten.


Sonnenaufgang auf dem höchsten Punkt Panamas.


Unser Wandertrupp.


Ein "bisschen" wurden wir dann doch mit Sicht entlohnt, auch wenn es sich da nicht so angefühlt hat.

Nach 1 Stunde auf dem Gipfel waren wir dann so durchgefroren, dass wir uns auf den Rückweg gemacht haben. Bis hierhin war es sicher kein Vergnügen, aber noch zu ertragen. In Kombination mit dem Rückweg allerdings war das der größte Dreck, den ich jemals getarnt als Freizeitvergnügen gemacht habe. Hoch im Dunkeln war echt schon scheiße, aber runter im Hellen war die Hölle. Abgesehen davon, dass man kaum glauben konnte, dass man hier hochgekraxelt war, wenn man mal im Hellen gesehen hatte wie steil das alles war, war dieses ganze Geröll entweder saurutschig oder wahlweise sauglatt. Auch für Knie und Oberschenkel war das Ganze kein Vergnügen. Spätestens ab der Hälfte wollte ich mich einfach nur hinlegen und sterben: „Komm, jetzt beschwer dich nicht, hast doch schöne 33 Jahre gehabt“, dachte man sich da das ein ums andere Mal. Gesprochen wurde schon nach den ersten zwei Kilometern in unserer kleinen Gruppe nicht mehr. Hier gings nur noch ums nackte Überleben, und wer nicht innerlich den Berg oder sich selber beschimpfte, versuchte sich durch Gedankenspiele von den Höllenqualen abzulenken: Das Revue-Passieren-Lassen all unserer Unterkünfte auf dieser Reise, das Aufzählen aller Klassenkameraden in der Grundschule und allen voran – was hätte Rheinhold Messner wohl an unserer Stelle getan? Nach 9 Stunden, 28 km und 3000 Höhenmetern (und 0 Stunden Schlaf) hatten wir es dann endlich geschafft … dachten wir. Da am Fuße des Berges kein Taxi oder Bus zu sehen war, mussten wir noch einen weiteren Kilometer bergab laufen, bis sich ein Busfahrer erbarmt hat, uns mitzunehmen. „Einen Kilometer? Das ist doch ein Klacks“, hör ich den ein oder anderen anmerken. Durchaus, wenn man allerdings schon 27km vorher bereit war, seine eigene Mutter und die noch ungeborenen Kinder für eine Fahrt zurück nach Boquete zu verkaufen, sieht das Ganze schon anders aus.

Was mich an der ganzen Aktion fast am meisten genervt hat, war, dass das sogenannte Runner’s High bei uns nicht eingetreten ist (bei den zwei Boys aus dem Whirpool hingegen schon, sonst wäre die Empfehlung sicher nicht so euphorisch ausgefallen). Egal wie hart es war, wenn man es dann geschafft hat, tritt die Freude über das Erreichte in den Vordergrund und alles wirkt gar nicht mehr so anstrengend… Nö, gabs hier nicht, auch drei Tage später weiß ich immer noch, in Zukunft halte ich mich von Vulkanen fern.

In Boquete angekommen bin ich noch kurz in den Supermarkt, um was zum Auffüllen der mehr als leeren Energiespeicher zu besorgen. Da bin ich dann Charlotte und Ruddy in die Arme gelaufen, das französische Pärchen, das wir in Nicaragua getroffen haben. Die haben dann vorgeschlagen, uns abends um 8 zum Essen zu treffen… mindestens zwei Stunden nach unserer geplanten zu-Bett-geh-Zeit. In der Sekunde habe ich mich dabei erwischt, mir zu wünschen, ich hätte mich einfach zwischen den Melonen vor den Beiden versteckt. Da die Zwei aber wirklich supernett und witzig sind, habe ich natürlich zugesagt, ganz zur Freude von Sabrina, die bereits auf dem Weg in den Jacuzzi war, als ich zurückkam. Da haben wir dann zwei Stunden unsere müden Knochen versucht, wieder auf Vordermann zu bringen. In meinem ganzen Leben war ich noch nie so inne Brötchen, es war gar kein bestimmter lokaler Schmerz, der ganze Körper fühlte sich an, als wenn der jede Sekunde vom Netz genommen werden würde. Die zwei Belgierinnen, die uns nach ihrem Trip noch erzählt hatten, das wäre alles easy und entspannt, und der Ausblick würde die Anstrengung rechtfertigen (Stichwort: Runner's High), hatten jetzt irgendwie auch ne andere Geschichte zu erzählen. Dass sie fast zusammengebrochen wären, und dass das das Härteste war, was sie jemals gemacht hätten, etc. Und überhaupt… Ausblick? Der Sonnenaufgang war nett, aber ansonsten hat man alles schon mal schöner woanders oder auf ner Fototapete gesehen. Aber ich möchte auch nicht zu negativ werden, wer mal dort vorbei kommen sollte, möge sich ein eigenes Bild machen. Wer sich auch ansonsten gerne beispielsweise im SM – Studio mit heißem Wachs bearbeiten lässt oder Stachelbeeren ohne Zucker isst, wird auch daran seine Freude haben. 

Wir haben es dann aber tatsächlich geschafft uns noch mal aufzuraffen, und die 500 Meter in die Stadt zu laufen, um unsere Verabredung einzuhalten. Das war dann auch wirklich witzig, ganz unglücklich waren wir aber auch nicht, als uns der Chef um kurz nach 10 aus dem Lokal geschmissen hat. Die Beiden fahren aber auch in ein paar Tagen nach Bocas del Torro, hoffentlich sehen wir die dann dort noch mal, dann auch mit ein wenig mehr Elan. Als wir wieder im Hostel waren, lagen unsere beiden Mitstreiterinnen eingemummelt in eine Decke auf der Couch, denen gings also auch nicht besser. Und wir sind vermutlich noch eingeschlafen, bevor es sich der Kopf final auf dem Kissen bequem gemacht hatte.

Am nächsten Morgen sollte es dann nach Bocas gehen, und wir waren echt ziemlich traurig. Bis jetzt hatte uns Panama ja noch nicht so 100% überzeugt, aber mit Boquete hat das kleine Ländchen noch mal richtig einen rausgehauen. Sogar trotz des Vulkans war das bis jetzt unser Highlight. Süßes Städtchen, die Leute waren supernett, viel zu tun und zu gucken, dazu noch ein Hammer - Hostel, da hat uns Panama wirklich ein attraktives Päckchen geschnürt. Und daher, und das kann überhaupt nicht hoch genug bewertet werden, würde ich den Vulkan noch einmal besteigen, wenn das die Bedingung wäre, um diesem Örtchen noch einmal einen Besuch abzustatten.   
Backo

19 April 2013

Boca Brava I Panama.

Morgens haben wir uns von unserem Grummel Griesgram zum Bus fahren lassen, der uns über Sona, Santiago, Horconcitos und Boca Chica nach Boca Brava bringen sollte. Ging alles auch ziemlich reibungslos, aber die Fahrt von Santiago nach Horconcitos war schon eine Herausforderung. Stellt euch spanische Ballermannmusik vor, über die Norbert Dickel in einer Endlosschleife die letzten 90 Sekunden des Champions League Viertelfinales kommentiert – auf Spanisch versteht sich. Das ganze wird dann mit 120 db durch nicht mehr taufrische, rauschende und britzelnde Lautsprecher gejagt. Man erwischte sich das ein ums andere Mal beim Abwägen der Opportunitätkosten einer plötzlichen Ertaubung. Dazu kam noch, dass die Busfahrer ja einfach niemanden am Straßenrand stehen lassen konnten, so dass die zulässige Menge an Fahrgästen um gut und gerne 100 Prozent überschritten wurde. Nach zwei Stunden mit einem dicken, weiblichen, im Takt der Musik schaukelnden Oma – Bauch deutlich innerhalb meines persönlichen Bereiches und kurz vorm Mord sind wir in Horconcitos angekommen. Von Jimi aber leider keine Spur, also haben wir ein Taxi genommen. Von Boca Chica aus ging es dann die letzten paar 100 Meter mit dem Boot. Bis zum Steg ging auch alles gut. Beim Aussteigen habe ich mich aber etwas mit der Höhe des Rucksacks verschätzt und bin schön Richtung Wasser gesegelt, wo ich vermutlich mit 30 Kilo Gepäck am Balg wie ein Stein gesunken wär. Und vermutlich hätte es auch weder dem Laptop noch der Gitarre besonders gut getan. Durch das beherzte Eingreifen von Sabrina und unserem Steuermann konnte aber Schlimmeres verhindert werden. Der Imageschaden durch solch eine von außen mit ziemlicher Sicherheit unfassbar dämlich aussehende Aktion ist aber dennoch enorm und konnte bis jetzt noch nicht beziffert werden. Zum wiederholten Male haben wir uns aber geschworen, dass dieses andauernde Auf-die-Fresse-legen jetzt endlich aufhören muss.

Der Steg zu unserer Unterkunft aka. der Ort an dem Backo sich ziemlich ungelenk vom Boot bewegt hat.
Aber letztendlich haben wir es ja dann doch heil zum Hotel geschafft. Schön gelegen war es, direkt an der Spitze der kleinen Insel Boca Brava, die zum Meeresnationalpark Golf von Chiriqui gehört.

Unser Restaurant mit Ausblick.

Ich bin ja leider nicht so der Kaffeeliebhaber aber hier dreht sich alles um die Bohne.
Allzu viel gibt’s hier nicht zu tun, hat uns aber nicht gestört. Einen Tag haben wir uns zusammen mit vier Amis – Mutter mit Sohn und Tochter und einer weiteren jungen, mit den anderen nicht verwandten oder verschwägerten Dame – auf eine der unzähligen kleinen Inseln fahren lassen. Dort haben wir uns in der Sonne braten lassen und auch das Wasser brachte bei knappen 30 Grad keine Abkühlung. Aber das sah schon ganz OK aus da.

Hier haben wir einen Ausflug hingemacht-die "Insel" konnte echt einiges. Da war man komplett alleine auf dem kleinen Fleckchen. Sand weiß - Wassertemperatur 30° Wohfühltemperatur.

Naja, man hatte mal wieder einiges an Zeit, um Fotos zu machen.

In 5 Minuten war man um die Insel gelaufen.

Die Pelikane sind so schlau. Da vertreiben die sich die Zeit am Fischerboot und warten bis die armen Männer, was im Netz haben um ihnen das dann zu entwenden.

PANAMA.

Da ich bereits die dritte Sonnenbrille "verlegt" habe werdet Ihr mich jetzt häufiger mit Hut antreffen.

Unser Bootsführer hat jetzt auch nicht den stressigsten Job der Welt...Hat sich mal eben 130$ reingezogen, und dafür den ganzen Tag am Strand rumgehangen.
Die Amis waren aus Boquete, wo sie für ein halbes Jahr wohnen, weil die Mutter der Meinung ist, dass es für Amerikaner auch mal nicht schlecht sei, eine Fremdsprache zu lernen. Bemerkenswerte Einstellung für eine Amerikanerin. Mit denen werden wir uns morgen Abend auch noch mal zum Essen in Boquete treffen.

Ansonsten sind hier wir noch einmal zu einem der Strände gelatscht, und dabei fast zerflossen, hier ist es echt krass schwül.

Hier schwitzt man so-da macht Ihr Euch kein Bild von...
Dafür haben wir aber direkt über uns wieder mal ein paar Brüllaffen gesehen, die sind schon gut.

Wir sind dann noch ein bisschen über unsere Insel getreckt, auf der Suche nach...

...Äffchen.

Überall waren die Herrschaften in den Bäumen am Spielen dran.

Oder am Entspannen.

Und noch ein Äffchen.
Der Strand war leider nicht so schön, und es hat leider ziemlich nach Affen – Aa gerochen*. Dafür gabs aber eine Menge lustiger, unterschiedlicher Krebse, die man bei ihrem Alltagsgeschäft – Baumstamm hoch und runterlatschen, Löcher buddeln - beobachten konnte. So langsam entwickeln wir uns echt zu Fans der eher kleinen Tierchen, die haben auch einiges auf dem Kasten, meint man ja gar nicht so.

Für eine Runde Schiffe versenken im Sand hat der Strand außerdem allemal gereicht. Leider waren Sabrina die Regeln nicht ganz geläufig, was zu häufigen Spielunterbrechungen geführt hat. Ein mehr als einmal gehörter Satz war: „Ich glaub ich hab was falsch gemacht“. Schön auch: „Zwei Schiffe dürfen sich wahrscheinlich nicht überlappen, oder?“ Nun ja, wenn wir davon ausgehen, dass dieses Spiel auch nur ansatzweise die Realität wiederspiegeln soll, würde ich mal sagen: Nein. Außer, bei einem von den beiden handelt es sich um ein U – Boot, und das wäre eine mehr als liberale Auslegung der Regeln.

Bei der Inselerkundung.
Den Rest der Zeit haben wir im Freiluft - Restaurant/Gemeinschaftsraum rumgehangen, und unsere Panama – Planung glatt gezogen. Wens interessiert, wir werden die San Blas – Inseln aus finanziellen und logistischen Gründen knicken, und nach Bocas del Toro fahren, da haben wir eine schöne Unterkunft auf einer der kleineren Inseln, abseits vom Spring Break – Tourismus in der gleichnamigen Provinz – Hauptstadt gefunden. Außerdem hat Sabrina, es geschafft, ihre Sonnenbrille zu verlegen, jetzt gibt’s aber auch keine neue mehr, das war immerhin schon die Dritte. Generell hat bei uns ein bisschen der Schlendrian Einzug gehalten. Weiterhin vermissen wir noch unsere zweite Stirnlampe, einen von meinen Buffs und Sabrinas Leggings bleiben auch weiterhin verschwunden. Ach ja, das Handy haben wir auch in Granada liegen lassen.

Anzumerken ist vielleicht noch, dass ich eines Abends als „Vielfrass“ bezeichnet wurde, weil sich das fälschlicherweise als zu dem gerade – und das möchte ich hier kurz anmerken, in exakt gleichgroße Hälften – geteilten Snickers zugehörig angenommene und von mir verspeiste Kleinteil als Fliege herausgestellt hatte. Man wird sich ja mal irren dürfen. Und in der Natur gibt es ja nun diverse Beispiele für Mimikry. Warum soll es dann nicht auch die Snickers – Fliege geben. Welchen Vorteil sie sich allerdings dadurch in der freien Wildbahn erhofft, weiß ich natürlich nicht. Ich geh auch davon aus, dass sie die nächste Auslosungsrunde im Genpool nicht überstehen wird.

Morgen geht’s dann also weiter nach Boquete, da freu ich mich persönlich schon wie ein Schnitzel, da es da ja ganz exquisiten Kaffee geben soll und auch sonst gibt’s da einiges an Attraktionen.

Backo

P.S. Wie wir finden haben Zebresel dieses Mal eine ihrer besten Performances hingelegt. Ehre, wem Ehre gebührt.

* Gerade aus Spaß mal „Aa“ gegoogelt (fragt mich nicht, warum), das sagt Wikipedia dazu. Lieblingsstelle ist fett markiert. Großartig:
"Aa (oder A-a) ist ein seit Beginn des 19. Jahrhunderts bezeugter kindersprachlicher Ausdruck für Kot. Die Brüder Grimm definierten im Deutschen Wörterbuch:
„aa, m. merda, excrementum, zweisilbig und zweimal betont, ein uraltes wort, dem nur zeugnisse abgehn, anständiger als die gemeinen ausdrücke koth oder dreck, jetzt aber nur wenn mit kindern oder vertraulich gesprochen wird im gebrauch: das ist aa! aa machen, seine nothdurft verrichten.[1]“
Der Ausdruck ist aus der lautmalenden Interjektion a–a substantiviert. Verwendung findet das Wort insbesondere in dem Ausdruck Aa machen.[2]"

In welchem Zustand von Langeweile muss man sich befinden, um diesen Artikel zu verfassen: "Ach, jetzt hab ich jeden Artikel bei Wikipedia durchgelesen, und da hat doch tatsächlich noch niemand was zu Aa geschrieben, ich glaub das mach ich mal eben." (Zu Recht mag sich der ein oder andere Leser jetzt fragen, in welchem Zustand man sich befinden muss, um "Aa" zu googlen, und zu schauen, was denn im Internet schon interessant zu dem Thema geschrieben wurde.)   

16 April 2013

Santa Catalina I Panama.

Die Anreise nach Santa Catalina war dann doch entspannter als gedacht. Zu einem großen Teil ist das sicher auch dem Umstand geschuldet, dass man ja doch sehr genügsam wird, was die Fortbewegungsmittel und die Fahrpläne oder die Abwesenheit solcher angeht. Auf der anderen Seite scheint sich hier auch einiges getan zu haben, in unserem Lonely Planet von 2010 war noch von Schlaglöchern auf der Straße zu lesen. Wir waren dann aber auf allerfeinstem Premium – Asphalt unterwegs. Die Fahrt wurde zudem noch versüßt durch die wirklich fantastischen Käsebrötchen aus der supermarkteigenen Bäckerei in Panama City. Dort muss man übrigens wie auffem Amt erst ein Nümmerchen ziehen, um bedient zu werden. Muss ja alles seine Richtigkeit haben.

Mit traumwandlerischer Sicherheit hatten wir uns dann natürlich wieder das am weitesten von der Haltestelle entfernte Etablissement ausgesucht, also hieß es wieder ein halbes Stündchen mit Sack und Pack durch die Hitze latschen. Die Rancho Estero, unser Quartier für die nächsten 4 Nächte war dann dafür auch wirklich schön gelegen, nur ein paar Stufen zum Meer mit perfektem Ausblick über die Bucht.

Unsere Behausung mit "Kunst" vor der Tür-ein mit Lichterkette verziertes Dinosaurierskelett und ein paar Porzellanfrösche mit Musikinstrumenten.

Aussicht von unserem kleinen Hüttchen.

Estero Beach-vor unserer Haustür-je nach Tagesform ist das ein super Surfstrand.

Zwischen Ebbe und Flut lagen mal geschmeidige 300m.

Die fiesen Quallen gab es zu Hauf im Meer-haben aber zum Glück nur einmal kurz gezwiebelt, wenn man sie berührt hat.
Und wenn man ehrlich ist, hat Downtown Santa Catalina jetzt auch nicht so viel zu bieten. Leider war keiner zu finden, bei dem wir vorstellig werden konnten, also haben wir es uns mit einem Bier aus dem Kühlschrank gemütlich gemacht. Hier gab es sogar auch eine Outdoorküche, wo wir dann später unsere mitgebrachten Speisen zubereiten würden. Aus finanzpolitischen Gründen hatten wir nämlich für 27 Cent das Stück leckere Minutennudeln erstanden, an denen mit Sicherheit noch nie eine richtige Nudel vorbeigelaufen ist, und auch die Geschmacksrichtung „Hühnersuppe“ ist wohl eher durch die Hände geschickter Chemiker entstanden.

Wir hatten mal wieder eine Küche und einen Obst-und Gemüsewagen der einmal am Tag vorbei kam. Da haben wir dann in bestem Spanisch eingekauft und nachher gekocht.
Nach einer Stunde kam dann Michael vorbei, dem das hier zusammen mit seiner Freundin Rose gehört. Die war gerade in Panama City und offensichtlich war es für ihn jetzt nicht das größte Vergnügen sich in der Zwischenzeit mit Gästen rumschlagen zu müssen. Freundlich und hilfsbereit ist anders, er sollte aber in den nächsten Tagen noch auftauen. Da es für unsere Verhältnisse schon relativ spät war, sicher 20 Uhr, sind wir dann auch zeitnah ins Bett.

Am nächsten Morgen haben wir dann die übrigen Gäste kennengelernt, ein Ehepaar mit 6-jähriger Tochter aus Colorado. So richtig gut waren die auf Michael auch nicht zu sprechen, richtig viele Infos über Land und Leute hatten sie ihm bis dato wohl auch noch nicht entlocken können. Ich habe mich dann noch mal bei ihm erkundigt, wie es denn wohl mit einer Surfstunde aussehen würde, wenn man die Wellen schon mal direkt vor der Nase hat: „Ja generell mach ich das, aber heute nicht.“ Jut, dann weiß ich ja Bescheid. Wir sind dann noch einen Laden weitergegangen, die das auch anbieten, aber auch die waren eher zurückhaltend. Will hier denn keiner Geld verdienen? Wir haben uns dann erst mal auf den beschwerlichen Weg in die Stadt gemacht um da noch was im Supermarkt zu kaufen und mal zu schauen, was man hier sonst noch so machen könnte. Eine Boots – Stunde vor Santa Catalina liegt auch die Insel Coiba, ein mariner Nationalpark, die Touren, sowohl Schnorcheln als auch Tauchen waren aber einfach zu teuer, so dass wir uns das, verantwortungsbewusst wie wir sind, geklemmt haben, da man sich die Zeit hier auch wunderbar mit aufs-Meer-gucken-aus-der-Hängematte vertreiben kann. Außerdem haben wir noch ein Monopoly – Spiel gefunden, und zwar, Premiere für mich, inklusive Spielanleitung. Ich war geschockt, die Unendlich – Schulden – Regel gibt es überhaupt nicht. Wie sauer waren meine Geschwister und ich damals, als unsere Mutter das Spiel nach vier Tagen einfach abgebaut hat … dabei war sie im Recht. Zudem, und ich denke, das wird auch für den ein oder anderen Leser ein Schock sein, wird NIEMALS Geld in die Mitte des Spielfeldes gelegt, was man dann auf Frei Parken einkassiert. Ich wusste ja, dass so eine Weltreise die Sicht auf einige Dinge verändert, aber dass es so einschneidend sein würde, hätte ich nun doch nicht gedacht.

Nachmittags war dann Michael auch doch noch mal rumgekommen, und hat gesagt, dass es ihm jetzt oder am nächsten Morgen passen würde mit dem Surfen. Schön, dann passt es mir auch. Da ich ja aber Ökonom bin, habe ich mich mit ihm auf den nächsten Morgen geeinigt, da man das Board dann für den Rest des Tages behalten durfte. Clever, was?

Morgens nach dem Frühstück sind wir dann runter zum Strand. Neben mir war noch Karl aus den USA dabei. Überraschenderweise hat Michael das dann sogar ganz gut gemacht, außer dass er nach Ablauf der Stunde einfach ohne ein Wort des Abschieds abgezogen ist und uns den Wellen überlasen hat. Nach den ersten Ermüdungserscheinungen bin ich wieder hoch zu unserer Behausung und Sabrina war in der Zwischenzeit schon in der Stadt gewesen um für unser leibliches Wohl zu sorgen. Leider war sie auf dem Rückweg mit ihren Billig – FlipFlops am Eingangstor hängen geblieben und hatte den folgenden Sturz in Ermangelung von freien Händen mit den Knien aufgefangen. Da hatten sich dann mittlerweile zwei schöne Eier gebildet. Wir ziehen in Erwägung, den Hersteller zu verklagen, so geht’s ja nun auch nicht. Ihre Yoga - Stunde, die sie eigentlich nehmen wollte, hatte sich damit auch erledigt. Ich habe - natürlich nicht aus eigener Erfahrung - nämlich gehört, dass eine ordentliche Portion auf den Knien rumrutschen dazu gehört.

Mein Gott, man wird auch nicht jünger. Ich habe mich wie eine Oma langgelegt-damit hatte sich die Yogastunde und alternativ das Surfen auch erledigt.
Ich bin dann im Laufe des Tages noch zweimal raus. Das lief sogar ganz gut, und es waren eigentlich nur relative Anfänger unterwegs, so dass man, wenn man mal wieder jemanden mit seinem sich selbstständig gemachten Board fast ein drittes Nasenloch geschossen hatte, ein aufmunterndes „Nicht schlimm, wir freuen uns doch für jeden, der mal für ein paar Sekunden auf dem Brett steht.“ erhielt, anstatt sofort was auf die Fresse zu bekommen. Gelernt habe ich auch noch eine wichtige Lektion. Mögen die Boardshorts aus Bangkok noch so täuschend echt aussehen, im Ernstfall zeigen sie ihr wahres Gesicht und hinterlassen einen wunderschönen Wolf.

Naja, wenigstens konnte ich Backo mit meinen Einkäufen erfreuen, nach der Surfstunde.
Sabrina hatte sich mittlerweile, da Michael eigentlich nie da war, als Assistentin der Geschäftsführung nützlich gemacht, Reservierungen angenommen und Beschwerden notiert. Mal sehen, wie sich das am Ende auf unsere Rechnung auswirkt.

Die Rezeption, die wir dann übernommen haben, nachdem wir die Geschäftsuntüchtigkeit von unserem Gastgeber nicht mehr ertragen konnten.
An unserem letzten Tag sind wir dann noch zu „The Point“ gelaufen, einem weiteren Strand ums Eck, wo Michael morgens immer surfen geht. Da sind die Wellen geringfügig höher, an diesem Tag um die 7 Meter. Das haben wir uns dann doch nur aus der Ferne angeguckt, ich möchte ja hier keinem die Schau stehlen.

Am Point Break-hier trauen sich nur die richtig großen Surferjungs hin. Da waren die Wellen gerne auch mal 7m hoch und wie zu sehen ist darunter nur Stein. Da sollte man schon wissen was man tut.

Wenn man sich hier langmacht sollte man irgendwo noch ein Sack voll Ersatzhaut haben.
Aber auch bei unserem Hausstrand waren mittlerweile ordentliche Brecher unterwegs. Generell bleibt aber zu sagen, dass so eine Brandung vor der Tür den Schlaf deutlich angenehmer macht als beispielsweise der Klang von arschgranatenvollen Halbstarken oder der nächtlichen Straßenbahn.

Abends haben wir dann noch die neuen Gäste, Katharina und Paul aus Deutschland in Empfang genommen und Ihnen unsere Anlage gezeigt. Für unsere Dienste haben wir Michael dann ein Pils und ein Kist - stellt euch Fanta mit zusätzlichen 15 Zuckerwürfeln vor - aus dem Kühlschrank gemopst. Wir haben uns dann noch ein bisschen mit den zwei unterhalten, die waren ziemlich nett. Katharina arbeitet im Marketing bei Osram, ganz zu meiner Zufriedenheit konnten wir aber nicht klären, ob es das Phoebuskartell zur Begrenzung der Brenndauer von Glühbirnen auf 1000 Stunden wirklich gab oder nicht. Ich halt euch diesbezüglich aber natürlich auf dem Laufenden.

Morgens geht’s dann weiter nach Bocas Brava, mal schauen, wie wir da hinkommen. Angeblich muss man für die Buszeiten Jimi anrufen, ich vermute, er ist hier das Äquivalent zum Geschäftsführer vom VRR. Ob das jetzt einfacher ist als ein Busfahrplan? Ich weiß es nicht.

Backo

P.S. Da unser Aktionsradius hier doch sehr begrenzt war, und wir euch nicht mit Bildern von uns in der Hängematte aus den diversesten Winkeln langweilen wollten, hier mal ein Bilderrätsel für alle Hobby – Orthopäden:

Was sehen wir hier?

Das kleine Qrthopädenquiz...

a) Ein Senkfuß.
b) Ein Spreizfuß.
c) Ein Plattfuß.
d) Alle Antworten sind richtig.

Zu gewinnen gibt es die original Schlappen mit Sand und Schweiß aus 7 Ländern.

11 April 2013

Panama City I Panama.

Ein kurzer Nachtrag noch zu Nicaragua. Irgendwie hatte man das Land ja immer noch so ein bisschen als gefährlich abgespeichert, und auch diverse Reaktionen aus dem Bekannten- und Verwandtenkreis waren eindeutig: "Nicaragua, da wollt ihr echt hin???". Aber, und das muss an dieser Stelle einmal in aller Deutlichkeit gesagt werden, wir haben uns kein einziges Mal unsicher gefühlt und wenn man sich vermutlich nicht völlig bescheuert anstellt, und durch das ärmste Viertel mit kompletter Videomontur und Rolex am Arm läuft, sollte man auch auf der sicheren Seite sein. Meine Rolex hatte ich ja bereits vorrauschauenderweise vor unserer Abreise schon an meinen Lieblingsflaschensammler im Rheinpark verschenkt, daher konnte mir da diesbezüglich sowieso nichts passieren. "Wie kommt der denn jetzt da drauf?" mag sich der ein oder andere Leser fragen, es geht doch jetzt um Panama. Sehr gut erkannt, aber genau deshalb komm ich da drauf, weil von Panama hatte man ein ganz anderes Bild, da war ich überhaupt nicht negativ voreingenommen. Und nach unserer Theorie ist das die Schuld oder wenn man es positiv ausdrücken will, der Verdienst von Janosch. Wir wurden doch alle einer Gehirnwäschen unterzogen und von wem? Einem leicht unterbelichteten Bären, einem Tiger und einer Tigerente, dessen Entstehung noch nie jemand hinterfragt zu haben scheint.  Hätten die nicht in einer Tour und in den höchsten Tönen von Panama geschwärmt, hätten wir uns vermutlich mit ähnlichen Nachfragen bzw. Zweifeln konfrontiert gesehen.

Schön wäre jedoch gewesen, wenn die Drei ein bisschen mehr ins Detail gegangen wären. Dann hätten wir uns sicherlich den Ausflug zum Panamakanal gespart. Auf die Gefahr hin, dass ich jetzt den Schifffahrtsingenieuren und deren Sympathisanten auf den Schlips trete, das Ding ist so unfassbar langweilig. Wir hatten echt nicht viel erwartet und wurden auch nicht enttäuscht. Ein Schiff fährt auf der einen Seite rein und auf der anderen Seite wieder raus. Wow!

DER Kanal-unsere Begeisterung hielt sich leider wirklich in Grenzen.

...Irgendwie hatte man sich das ein bisschen spektakulärer vorgestellt.

Wir haben natürlich brav gewartet bis wir den Schleusenvorgang einmal mit Schiff anschauen konnten.



... das hat es aber irgendwie auch nicht gerettet.


Naja wir können sagen, wir waren da:-) 
Und scheinbar haben wir schon einen spektakulären Tag erwischt, da das Costa Ricanisches Fernsehen da war?!
Und dafür knöpfen die einem 5 Dollar ab. 5 Dollar!!! Dafür hätte ich mir in Neuseeland 10 Kilo Pferdeäppel kaufen können, und wäre deutlich glücklicher gewesen. Falls die UNESCO jemals auf die Idee kommt, das Teil in die Liste der Weltkulturerbe aufzunehmen - so extrem wählerisch scheinen die ja nicht zu sein - werde ich persönlich eine Petition in Umlauf bringen, um das Ganze zu stoppen. Und als Gegenvorschlag den Münzbrunnen in Velbert City oder einen besonders schönen Pflasterstein auf dem Burgplatz in Düsseldorf einreichen. Wir vermuten, dass die Bewohner von Panama City früher statt Peitschenhieben Schleusenvorgänge als Strafe ertragen mussten: "Hiermit verurteilen wir Herrn Santa Cruz wegen Pferdeäppeldiebstahls zu 40 Schleusenvorgängen". Eine abscheuliche Vorstellung. Was das Dingen allerdings richtig gut kann, ist Kohle in das Land und primär in die Stadt spülen, die Skyline braucht sich vor deutlich größeren Städten nicht verstecken. Die liberale Steuerpolitik und die vielen Banken tun ihr übriges.
Panama Stadt-man sieht ziemlich gut, dass der Kanal hier ganz schön was an Kohle reinbringt.

Eine Skyline vom Feinsten.
Die Stadt ist aber auch ein Abbild der sozialen Ungleichheit. Casco Viejo, das historische Viertel, das 1673 gebaut, nachdem das alte Zentrum von Piraten zerstört wurde, hatte sich irgendwann zu einem Slum gewandelt. Zur Zeit wird das Viertel wieder aufgebaut, und im Moment stehen hier schöne restaurierte Häuser direkt neben den alten Baracken. Um den Touristen ein Gefühl von Sicherheit zu geben, stehen hier an jeder Ecke bewaffnete Polizisten oder Militär.

Hier in Casco Viejo wird gerade alles neu gemacht...

...um den alten Charme wieder herzustellen, ist ja schließlich UNESCO - Weltkulturerbe

Alt neben neu.

So wie rechts auf dem Bild soll hier dann alles wieder aussehen.
Abends bin ich dann noch mal am Wasser laufen gegangen und da war richtig was los. Hunderte waren da joggenderweise unterwegs oder haben auf einem der Hartplätze Foppes oder Basketball gespielt. Mein Highlight war der etwa 70jährige Senior, der mit Gewichten an Knöcheln und Handgelenken plus einem Satz kleiner Hanteln seiner Plauze im Schlenderschritt Herr zu werden versuchte.

Ansonsten waren wir noch in einer der Malls hier vor Ort, haben aber nichts von dem bekommen, was wir gesucht haben, außer einem paar schicke neue Flip Flops für Sabrina für 1,79$ - die alten hatten wir jetzt schon vier Mal versucht mit Sekundenkleber wieder flott zu bekommen.

Morgen geht's nach Santa Catalina, einem kleinen Örtchen im Süden von Panama. Da gibt's auch keine Schleusen, hab mich schon schlau gemacht.

Backo